Moderne Wundversorgung

Die Therapie von Menschen mit chronischen Wunden stellt eine Herausforderung für den behandelnden Arzt, die Pflegekraft und auch den Patienten dar. Wissenschaftliche Erkenntnisse beweisen: optimal für die Heilung ist ein feuchtes Wundmilieu. Moderne Wundverbände fördern die feuchte Wundbehandlung und unterstützen eine schnelle Wundheilung.

Das Ziel der modernen Wundversorgung ist es, die gehemmte Wundheilung bei einer chronischen Wunde zu normalisieren. Hierzu gibt es zwei sich ergänzende Ansätze: 

  • Ursächliche Therapie = Behebung/Mitbehandlung der Grunderkrankung bzw. der wundauslösenden Faktoren
  • Symptomatische Therapie = Beschleunigung des Heilungsprozesses durch lokale Maßnahmen wie z.B. zeitgemäße hydroaktive Wundauflagen
Traditionelle Wundversorgung Die traditionelle Wundversorgung folgt dem Prinzip der Wundaustrocknung. Bei möglichst großer Polsterwirkung soll die Wundauflage viel Wundsekret aufnehmen. Zusätzlich ist sie Träger für Arzneimittel (z. B. Salben) und kann zum Auswischen der Wunde oder Reinigen der Wundumgebung genutzt werden. Probleme trockener Wundversorgung

Unter traditionellen Wundauflagen bildet sich ein trockener, harter Schorf, der sich zu einer Nekrose entwickeln kann. Dadurch wird die Einwanderung der Epithelzellen behindert und die Abheilung verläuft deutlich verlangsamt. Gängige Auflagen der trockenen Wundversorgung sind Kompressen. 

 

Probleme der trockenen Wundheilung

  • Traumatisierung der Wunde beim Verbandwechsel
  • Trockener harter Wundschorf bis zur Nekrosenbildung
  • Kaum Schutz vor Infektionen
  • Phagozyten nur im Wundrandbereich
  • Neue Kapillaren wachsen in den Verband
  • Schlechte thermische Isolation
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Feuchte Wundheilung Bereits 1962 wies der Biologe Dr. George Winter die Vorteile der feuchten gegenüber der trockenen Wundversorgung anhand der Wundheilung bei Schweinen nach. Unter dem warm-feuchten Folienverband bildete sich bereits nach drei Tagen Epithelgewebe; unter der konventionellen Kompressenversorgung war noch kein Heilungserfolg zu beobachten. Vorteile der feuchten Wundbehandlung

Vorteile der feuchten Wundbehandlung:

  • Schaffung eines feuchten Mikroklimas
  • Schutz vor Sekundärinfektionen
  • Ungestörte Bewegungsfreiheit für Phagozyten zur Keimabwehr
  • Leichtes Einsprossen von Kapillaren auf der gesamten Wundfläche
  • Gute thermische Isolation
  • Schmerzärmerer Verbandwechsel
  • Atraumatischer Verbandwechsel
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Hydroaktive Wundauflagen

Hydroaktive Wundauflagen Hydroaktive Wundauflagen werden in der feuchten Wundbehandlung eingesetzt. Um anspruchsvolle Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig den individuellen Bedürfnissen und unterschiedlichen Wundheilungsphasen gerecht zu werden, sind eine Vielzahl von Produkten entwickelt worden. Lesen Sie mehr!

Dazu gehören Produkte, wie z. B.:

  • Alginate
  • Hydrofaser
  • Hydrogele in Gelform, Hydrogelkompressen
  • Hydrokolloidverbände
  • Feinporige Polyurethanschäume/Hydropolymerverbände
  • Semipermeable Transparentfolienverbände
  • Hydrokapillarverbände
  • Aktivkohlekompressen
  • Silberhaltige Wundauflagen 
  • Kollagenwundauflagen

Kriterien für hydroaktive Wundauflagen

  • Aufnahme von überschüssigem Wundexsudat
  • Gewährleistung des Gasaustausches
  • Wärmeisolation der Wunde von der Umwelt
  • Schutz vor Sekundärinfektion durch Undurchlässigkeit für Mikroorganismen von außen
  • Gewährleistung eines feuchten Klimas im Wundbereich
  • Keine Abgabe von Fasern oder anderen Fremdstoffen
  • Gewährleistung eines atraumatischen Verbandwechsels
  • Gewährleistung der Wirtschaftlichkeit
  • Förderung der Wundruhe und des Heilungsprozesses durch lange Verbandwechselintervalle

 

Positive Ergebnisse der modernen Wundversorgung:

  • Steigerung der Lebensqualität
  • Weniger Schmerzen beim Verbandwechsel
  • Schnellere und komplikationsärmere Abheilung
  • Kürzere Behandlungs- und Pflegezeiten
  • Kostensenkung
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Faktoren zur Wundheilung

Positive Faktoren Es gibt unterstützende Maßnahmen und positive Faktoren, die eine Wundheilung fördern. Positive Faktoren!

Unterstützende Maßnahmen und positive Faktoren für die Wundheilung

  • Behandlung der Grunderkrankung
  • Adäquate Schmerzbehandlung
  • Hautpflege und -schutz
  • Erhaltung der Körperwärme im Wundgebiet, Verwendung von angewärmten Wundspüllösungen zur Wundreinigung
  • Zusätzliche Zufuhr von Eiweiß, Vitaminen (v.a. Vitamin C) und Mineralstoffen (v.a. Zink)
  • Ausreichend Flüssigkeitszufuhr
  • Exsudat- und ggf. Geruchsmanagement
  • Keimarme Wundverhältnisse
  • Gute Durchblutung
  • Spannungsfreie Wundränder
  • Atraumatische, gewebeschonende Operationstechniken
  • Atraumatisches Wunddebridement
  • Atraumatischer, steriler Verbandswechsel
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Lokale Störfaktoren Durch lokale Störfaktoren kann eine Wundheilung negativ beeinflusst werden. Lokale Störfaktoren

Lokale Störfaktoren, die eine Wundheilung negativ beeinflussen:

  • Keimbesiedelung, Fremdkörper in der Wunde bis hin zur Infektion
  • Hämatom, Ödem, Schorf, Nekrosen
  • Hypergranulation (überschießendes Gewebe über Hautniveau)
  • Nahtdehiszenz (Spannung der Wundränder)
  • Hypertrophes Narbengewebe
  • Eiweiß-, Vitamin C- und Zinkmangel
  • Unzureichende Ruhigstellung oder Druck auf die betroffene Region
  • Austrocknung/Auskühlung der Wunde
  • Vorgeschädigtes Gewebe z. B. durch Bestrahlung oder Operationen
  • Traumatischer, unsteriler Verbandwechsel
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Systemische Störfaktoren Auch systemische Störfaktoren können sich negativ auf die Wundheilung auswirken. Systemische Störfaktoren

Systemische Störfaktoren, die eine Wundheilung negativ beeinflussen:

  • Alter (z. B. arbeitet das Herz-Kreislauf-System mit zunehmendem Alter nur noch mit reduzierter Leistung; Hautveränderung im Alter = Haut wird dünn und ist mechanisch nur noch wenig belastbar, folglich: erhöhte Verletzungs- und Infektionsgefahr)
  • Ernährungs- und Flüssigkeitszustand (z. B. Mangelernährung)
  • Medikamente (z. B. Chemotherapeutika, Immunsuppressiva, Antikoagulantien)
  • Psyche
  • Allgemeiner Gesundheitszustand (z. B. Stress, Rauchen, Alkoholkonsum)
  • Grunderkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Arteriosklerose, Morbus Crohn)
  • Immunstatus
  • Infektionen
  • Kontinenzsituation
  • Mobilität
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